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Poster zum 1. Mai aus der Zeit nach 1890.Die Forderung nach dem Achtstundentag wird allen anderen vorangetragen.

‹berstunden bei 50 Grad

Schwerpunkt

Adelheid Popp sprach 1893 bei der Enquete zur Reform der Gewerbeordnung im Reichsrat Łber die Arbeitsbedingungen in der Fabrik.

Wir haben Gummiwarenfabriken, zum Beispiel eine solche hier in Wien im zehnten Bezirk, wo die Atmosphäre von Benzin und ähnlichen Stoffen geschwängert ist, wo die Frauen nicht nur zehn Stunden - früher war die Arbeitszeit elf Stunden, jetzt ist sie infolge eines Streiks auf zehn Stunden herabgesetzt - arbeiten müssen, sondern, wo sogar noch Überstunden bewilligt worden sind.

13-Stunden-Arbeitstag

Anstatt dass der Handelsminister von diesem Gesetz Gebrauch gemacht und die Arbeitszeit in diesem Betrieb herabgesetzt hätte, sind noch Überstunden bewilligt worden, … Wie da eine Arbeiterin, die in einer mit Benzin, Schwefel und anderen schädlichen Stoffen erfüllten Luft länger als zehn bis elf Stunden arbeiten muss, aussehen kann, kann jeder ermessen. Ebenso ist es in den Appreturfabriken1. Durch einen Streik der Arbeiterinnen ist es allerdings gelungen, die Arbeitszeit, welche früher mit den Überstunden 13 Stunden betragen hat, auf zehn Stunden herabzusetzen; nichtsdestoweniger müssen diese Arbeiterinnen bei einer Hitze von 45 bis 50 Grad arbeiten und außerdem sind jetzt Überstunden bewilligt worden. … Die Frauen müssen jetzt … mit den Überstunden elf bis zwölf Stunden arbeiten.«

Dauerthema Arbeitszeit

Bis 1918 war die Arbeitszeit für die Fabriken in der Gewerbeordnung geregelt (für das Gewerbe selbst gab es überhaupt keine Regelung). Für Frauen und Jugendliche konnte der zuständige Handelsminister einen kürzeren Arbeitstag verordnen, was fast nie geschah, aber auch Überstunden, was häufig geschah. Deshalb betrug die Arbeitszeit meistens mehr als elf Stunden, außer dort wo die ArbeiterInnen selbst durch einen Streik und später die Gewerkschaften in Kollektivverträgen einen kürzeren Arbeitstag erreichten. Der Achtstundentag per Gesetz kam erst in der demokratischen Republik, aber die Arbeitszeit war bei fast jeder Debatte um die Reform der Gewerbeordnung ein Thema. Als die sozialdemokratische Arbeiterbewegung noch nicht im Parlament vertreten sein konnte, nutzte sie die Reichsratsenqueten, zu denen auch ArbeiterInnen als »Auskunftspersonen« eingeladen wurden, als Forum für ihre Kritik und ihre Forderungen. 1893 schickte sie mit der ehemaligen Heim- und Fabrikarbeiterin Adelheid Popp eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten zu einem solchen »Hearing.«

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